{"id":2783,"date":"2019-06-10T20:24:14","date_gmt":"2019-06-10T19:24:14","guid":{"rendered":"https:\/\/swissmig.wordpress.com\/?p=2783"},"modified":"2019-06-10T20:24:14","modified_gmt":"2019-06-10T19:24:14","slug":"sudostasiatische-fluchtlinge-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/swissmig.unine.ch\/?p=2783","title":{"rendered":"S\u00fcdostasiatische Fl\u00fcchtlinge in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<h3>Author(s) : Hans-Rudolf Wicker<\/h3>\n<h3>Source : <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-0348-5244-9_9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-0348-5244-9_9<\/a><\/h3>\n<p><strong>Abstract: <\/strong><!--more--><\/p>\n<blockquote>\n<section class=\"resume\">&#8220;Nguyens leben seit 1981 in einem Wohnblock in Oensingen. Von schweizerischen Nachbarn werden sie als Menschen eingesch\u00e4tzt, \u00fcber die es nicht viel zu berichten gibt, weiss man doch eigentlich wenig \u00fcber sie. Sie leben zur\u00fcckgezogen und fallen nicht auf. Es ist allgemein bekannt, dass sie zu Beginn der Achtzigerjahre als Fl\u00fcchtlinge in die Schweiz gelangten und dass sie urspr\u00fcnglich aus Vietnam stammen, einem Land, das niemand aus dem Bekanntenkreis jemals bereist hat. Man weiss nur, dass die Nguyens nicht Christen, sondern Buddhisten sind, und man erz\u00e4hlt sich, dass in ihrer Wohnung ein kleiner Altar mit einer Buddhastatue stehe. Vor dem sitzenden Buddha habe es ein irdenes, mit Reis gef\u00fclltes T\u00f6pfchen, in dem manchmal Weihrauchst\u00e4bchen brennen, sowie eine Schale mit Fr\u00fcchten. Van Thu, der Vater der Familie, arbeitet als Hilfsarbeiter in einer Fabrik, Phu Vinh, die Mutter, macht den Haushalt und versorgt die Kinder. Beide k\u00f6nnen sich nur schlecht und recht in der deutschen Sprache verst\u00e4ndigen. Ihre Sprachkenntnisse, eine Mischung aus Hochdeutsch und Dialekt, gen\u00fcgen zwar, um am Arbeitsplatz oder beim Einkaufen einfache W\u00fcnsche auszudr\u00fccken oder um auf der Strasse mit Nachbarn einige Worte zu wechseln. L\u00e4ngerf\u00fchrende und tiefere Gespr\u00e4che auf Deutsch sind aber nicht m\u00f6glich. Das macht es sowohl f\u00fcr sie als auch f\u00fcr ihre schweizerischen Bekannten schwierig, intensivere Kontakte zu unterhalten. F\u00fcr die vier Kinder sieht es schon anders aus. My, die \u00e4ltere Tochter, und Dung, der \u00e4ltere Sohn, wurden in Vietnam geboren. Sie waren sechs, respektive f\u00fcnf Jahre alt, als die Familie 1979 Vietnam verliess, und sie haben deshalb nur noch vage Erinnerungen an ihr Heimatland. Beide wurden in Oensingen eingeschult und beide sprechen perfekt \u00absolothurnerisch\u00bb. Nur vom Aussehen her unterscheiden sie sich von ihren Schulkameraden. Dasselbe gilt f\u00fcr die kleineren Kinder, Lam, den zweiten Sohn, und An, die zweite Tochter. Beide kamen in Oensingen zur Welt und deshalb kennen sie Vietnam nur von Bildern und aus den Erz\u00e4hlungen der Erwachsenen. Die Eltern sprechen unter sich den s\u00fcdvietnamesischen Dialekt, und auch am Mittagstisch wird in der Familie vietnamesisch gesprochen. Sind die Kinder jedoch unter sich, bevorzugen sie Deutsch. F\u00fcr die Eltern ist es manchmal schmerzhaft, wenn sie die Kinder sprechen, lachen und streiten h\u00f6ren, ohne davon ein Wort zu verstehen. Es stellen sich dann bei ihnen Gef\u00fchle der Befremdung, der Trauer und manchmal auch der Wut ein, versp\u00fcren sie doch, dass ihre Kinder einer anderen Welt angeh\u00f6ren, zu der sie selbst keinen Zugang haben. Die Eltern wissen wohl, dass dies sich nicht \u00e4ndern l\u00e4sst und dass sich ihr Fl\u00fcchtlingsdasein vermutlich bis zu ihrem Lebensende als Balanceakt zwischen zwei grundverschiedenen Kulturen \u2014 der vietnamesischen und der schweizerischen \u2014 abspielen wird. So bleibt ihnen nur der Traum, vielleicht doch einmal in das Land zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen, wo alle Menschen ihre vietnamesische Muttersprache sprechen, wo ihre Ahnen begraben sind, wo der Reis in den bew\u00e4sserten Feldern w\u00e4chst, und wo die buddhistischen Tempel stehen.&#8221;<\/section>\n<section><\/section>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Author(s) : Hans-Rudolf Wicker Source : https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-0348-5244-9_9 Abstract:<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_kadence_starter_templates_imported_post":false,"_kad_post_transparent":"","_kad_post_title":"","_kad_post_layout":"","_kad_post_sidebar_id":"","_kad_post_content_style":"","_kad_post_vertical_padding":"","_kad_post_feature":"","_kad_post_feature_position":"","_kad_post_header":false,"_kad_post_footer":false,"_kad_post_classname":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[550,288,32,8,151,176,73,87,236,103,117,145,91,625],"class_list":["post-2783","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-the-migration-phenomenon","tag-550","tag-acculturation","tag-book-chapter","tag-case-study","tag-cultural-identity","tag-economic-integration","tag-german-language","tag-history","tag-language-barriers","tag-refugees","tag-school-integration","tag-second-generation","tag-social-integration","tag-vietnamese"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/swissmig.unine.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/swissmig.unine.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/swissmig.unine.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/swissmig.unine.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/swissmig.unine.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2783"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/swissmig.unine.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2783\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/swissmig.unine.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/swissmig.unine.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/swissmig.unine.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}